Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben …

… vor allem dann, wenn er mit der Deutschen Bahn AG fährt, so wie ich gestern.
Ich wollte nach Zinnowitz (Insel Usedom), ein paar Tage ausspannen. Ich hatte also auch einen Fahrschein (nur Nahverkehrszüge) und eine Fahrradkarte Nahverkehr gelöst und bin in den RE 18306 nach Stralsund eingestiegen, der 6:39 von Gesundbrunnen abfährt und 9:02 in Züssow ankommt. Bis Anklam lief alles planmäßig. Doch dann kam die DB-AG-Überraschung für alle Möchtegern-Ostsee-Urlauber und -sonntagsausflügler: Der Zug fuhr nicht weiter, sondern endete in Anklam und sollte bald darauf wieder nach Berlin zurück fahren. Begründet wurde das in der Ansage im Zug damit, dass sich die Klappbrücke der Bahn über die Peene (die liegt ca. 1-2 km nördlich vom Bahnhof) nicht schließen ließe.

Und so stiegen 500 oder mehr Fahrgäste, einige von Ihnen mit Kinderwagen, andere mit Fahrrad aus und standen erst einmal wie ein paar Deppen auf dem Bahnsteig von Anklam. Zwar wurde in der besagten Ansage im Zug der „Versuch“ versprochen, Schienenersatzverkehr zu organisieren, doch das ist wohl nicht mehr als der hilflose Versuch des Zugpersonals, die Bankrotterklärung der DB Netz zu vertuschen. Wie bitte schön will denn die DB AG am Sonntag Vormittag 10 Ersatzverkehrsbusse auftreiben, in einer Stadt, die weniger als 15000 Einwohner hat ? Was ist mit den Fahrgästen mit mitgeführtem Fahrrad, wo doch die Fahrradmitnahme von den Busunternehmen generell ausgeschlossen wird ? Und wann bitte schön, sollen die Tagesausflügler ihr Ziel auf Usedom oder auf Rügen erreichen, wenn sie zwischen Anklam und Züssow zwei Stunden Zeit verlieren ? Wie ergeht es den Fahrgästen in den nächstfolgenden Zügen ? Kriegt die DB Netz Ihr Problem mit der Klappbrücke denn überhaupt innerhalb von zwei Stunden gelöst ? Und wie soll der dann folgende Zug die gestrandeten Fahrgäste aufnehmen, wenn der mit 1000 oder mehr Fahrgästen bis zum Auseinanderbersten gefüllt ist ?

Ich habe von einem Anklamer Einwohner gehört, dass an der Klappbrücke derzeit gebaut werde. Möglicherweise hat dort bei den Bauarbeiten jemand ganz große Scheiße gemacht. Aber dieser Vorfall ist ein weiteres Glied in der unendlichen Kette von Pleiten, Pannen und Katastrophen der Deutschen Bahn AG. Es fügt sich nahtlos an die fast endlos scheinende Kette von Weichenstörungen bei der Berliner S-Bahn in den letzten Wochen an. Unfähigkeit bei der Planung und Ausführung von Bauarbeiten, Missmanagement, Größenwahn in den Chefetagen von Herrn Grube sind die Grundlagen, auf denen das Bahnchaos gedeiht. Und den Bahnmanagern ist es offenbar scheißegal, wenn mehrere 100 Leute, die sich der DB anvertraut haben, einfach irgendwo in der Pampa hängenbleiben und ihre Zeit vertrödeln.

Wie bin ich mit der Situation fertig geworden ?
Statt der Bahn (oder irgendeinem Hirngespinst von Schienenersatzverkehr) zu vertrauen, habe ich der Bahn, die für heute mein Vertrauen aufs Schwerste missbraucht hat, den Rücken gekehrt und bin mit dem Rad bei bis zu 34°C die knapp 70 km lange Strecke von Anklam bis Zinnowitz gefahren. Und so bin ich wenigstens sicher dort angekommen. Wer weiß, ob ich mit der Bahn jemals an diesem Tage noch das Ziel erreicht hätte.

Und die übrigen Mitreisenden ?
Keine Ahnung, welches Schicksal sie ereilte.

Aber das mit dem Erlebnis hatte natürlich noch eine gute Seite. So bin ich also fast 70 km gegen meinen Speck gefahren ;-), und ich hatte drei Gelegenheiten zur Vogelfotografie bekommen, die ohne das Bahn-Chaos nicht bekommen hätte.

 

 

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