Lieber Jon,

es ist jetzt 37 oder 38 Jahre her, da ich das erste Mal den Namen „Deep Purple“ gehört hatte. Es war „Highway Star„, ich war gerade 13 oder 14. Dieser Titel machte mir damals unheimlich Appetit auf mehr, und hier im Osten Deutschlands war es nicht immer ganz einfach, sich den Wunsch nach Deiner (Eurer) Musik zu erfüllen. Aber selbstverständlich gab es ja RIAS und SFB, auch der Rundfunk der DDR hatte Euch im Programm. Und Kassettenrekorder waren unserer Werkzeug, um an Eure Musik heran zu kommen.

Viele Eurer Titel habe ich kennen und schätzen gelernt, das eher melancholische „He Joe„, das bombastische „Child in Time“ (mein Deep-Purple-Toptitel), das flinke und knallharte „Burn„, die bluesig angehauchten „Lazy“ (hier herrlich auch die Mundti von Ian Gillan) und „Don’t Make Me Happy“ und vieles andere mehr. Du hast – zusammen mit Ritchie – der Band das musikalische Gepräge gegeben. Ihr beiden wart, so war jedenfalls immer mein Eindruck, die Kreativ-Köpfe der Band. Unvergessen und stilbildend waren die Gitarren-Orgel-Duelle, wie in „Highway Star“ und „Burn“.

Du mit Deep Purple sowie zusammen mit Eurer Konkurrenz von „Led Zeppelin„, die – dessen bin ich mir ganz sicher – im Geiste Eure Freunde waren – hast mit dem Hardrock eine Stilrichtung der Rockmusik entwickelt, die fast ein Jahrzehnt lang absolut dominierend war und viele Musiker der unterschiedlichsten Stilrichtungen wesentlich geprägt hat.

Und Du warst es, der den zuerst Erzürnen und hochnäsiges Lächeln – dann aber viel Anerkennung auslösenden – Versuch, die ach so gegensätzlichen Rockmusik und Klassikmusik miteinander zu kombinieren, gemacht hat. Dein Konzert für Gruppe und Orchester hat bewiesen, dass Rock und Klassik nicht antagonistisch sind, sondern durchaus kombiniert werden können. Nach Dir haben es viele andere auch gewagt, aber Du warst der Erste.

Nur einmal hatte ich die Gelegeheit, Dich live im Konzert zu erleben, es war – so denke ich – um die Jahrtausendwende in der Berliner Wuhlheide.

Du bist jetzt von uns gegangen. Sicher war dieser Weg für Dich eine Erlösung. Ruhe in Frieden; und sei gewiss, dass Deine Musik bei mir und bei vielen anderen weiter leben wird.

Jon Lord

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