Abschluss der Vorrunden bei der Fußball-Europameisterschaft

19.06.2012

Gruppe C:

Die Gruppe C wurde „planmäßig“ abgeschlossen. Die Favoriten Spanien und Italien haben sich durchgesetzt. Großen Fußball gab es aber nur selten zu sehen. Im Auftaktspiel der Gruppe (Spanien – Italien 1:1) zum Beispiel immerhin andeutungsweise, allerdings mit deutlicher Übermacht der Defensive beiderseits. Bei den Italienern nichts ungewöhnliches, denn der Catenaccio feiert immer wieder fröhliches Come-back. Kroatien hielt noch lange gut mit, ging aber am Ende leer aus. Und die Iren wurden ihrer Außenseiterrolle gerecht.

Irland:

Die Iren kämpften und waren trotzdem chancenlos. Zu groß ist der Abstand zu den europäischen Spitzenmannschaften. Woher soll es auch kommen ? Die meisten Iren spielen zweit- oder gar drittklassig. Da kann auch ein alter Fuchs wie Giovanni Trapattoni („Ein Trainer ist kein Idiot“, „Was erlauben Strunz?“) nicht viel ausrichten. Für ihn war es vermutlich auch mehr Amüsement als wirklich ernsthafter Wille, etwas zu reißen. Was den Iren an fußballerischen Mitteln fehlte; und das war eine ganze Menge, das kompensierten die Fans mit Glückseligkeit und Feierlaune. Wer will es ihnen auch verübeln …

Kroatien:

Gut genug waren sie, die Kroaten, um die Spanier beinahe rauszuschmeißen. Es hat, allerdings begünstigt durch die Schwäche der Spanier im abschließenden Spiel, wirklich nicht viel gefehlt. Denn in der zweiten Halbzeit hatten die Kroaten beim Stande von 0:0 mehrere dicke Torchancen erkontert und die Spanier an den Rand der Blamage gebracht. Aber wer seine Chancen nicht nutzt … Schade, Kroatien hat recht gut gespielt und wurde etwas unter Wert geschlagen. Aber man muss einfach noch abgebrühter werden.

Italien:

Nur das Nötigste taten die Squadra Azzurra, um sich gegen Kroatien zu behaupten. Ihr bestes Spiel war noch das beiderseits sehr taktisch geprägte Spiel gegen Spanien (1.1). Vermutlich fehlen den Italienern richtig starke Offensiv-Spieler, oder Cesare Prandelli ist ein Vertreter der Catenaccio-Fraktion. Immerhin hatte ich einmal Freude an perfektem Stellungsspiel des italienischen Torhüters Gianluigi Buffon, als er den Spanier Fernando Torres ganz cool vom Ball drängte. Schräg war, dass die Italiener ausgerechnet Ihren Landsmann und früheren Nationaltrainer Trapattoni als Trainer der Iren hinauswerfen mussten.

Spanien:

Die Spanier sind ihrer Favoritenrolle gerecht geworden, hatten aber vor allem gegen Kroatien lange Zeit erhebliche Probleme. Ein paar mal sind sie in der zweiten Halbzeit in kroatische Konterangriffe gelaufen, und nur die kroatischen Abschlussschwäche hat sie in dieser Phase vor dem Aus bewahrt. Dennoch: Zu guten Mannschaften gehört es eben auch, dass sie schwierige Phasen überwindet und sich befreit.

Meine Prognose: Spanien erreicht das Finale und setzt sich dabei gegen Nachbar Portugal durch. Italien scheitert im Viertelfinale.

 

18.06.2012

Gruppe B:

Die Gruppe B wurde vor der EM von Fachleuten und solchen, die sich dafür halten, als die stärkste Gruppe eingeschätzt. Wahrscheinlich war sie das auch. Allerdings nicht die als Favorit gehandelten Niederlande begründeten diesen Eindruck, sondern – neben Portugal und Deutschland – die Dänen. Das fußballerische Niveau war in den Gruppenspielen dieser Gruppe deutlich höher als in der Gruppe A. Verrückt in dieser Gruppe war, dass Deutschland nach zwei Siegen und sechs Punkten noch nicht sicher durch und die Niederlande nach zwei Niederlagen und null Punkten noch nicht sicher ausgeschieden waren. Somit waren also die dritten Gruppenspiele für alle Teams noch von großer Bedeutung.

Niederlande:

Sie waren die Enttäuschung der Gruppe B. Drei Niederlagen und null Punkte sind die Quittung für pomadiges Spiel mit eklatanten Defensiv-Schwächen und einfallsloser Offensive. Die B. Z. titelte vor dem Gruppenspiel der Niederlande gegen Deutschland: „Robben schießen keine Tore“, eine Anspielung auf die Form des Niederländers in Bayern-Diensten Arjen Robben. Recht hatte sie. Und mit Maarten Stekelenburg hatten die Niederlande einen Schwachpunkt im Tor. Lang ist’s her, dass da ein Edwin van der Saar im Tor eine sichere Bank der Niederländer war.

Dänemark:

Die Mannschaft aus Dänemark galt als Außenseiter der Gruppe und schnappte in der Auftaktpartie mal eben den Niederländern drei Punkte weg. Gegen Deutschland hielt sie lange Zeit gut mit. In einer anderen Gruppe hätten sich die Dänen sicher für das Viertelfinale qualifizieren können. Ihr Fußball war ansehnlich, wenn auch beileibe nicht immer perfekt. Und die Moral stimmte auch. Schade, dass sie abreisen müssen; sie waren eine Bereicherung des Turniers.

Portugal:

Portugal ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden und hat zum hohen Niveau der Gruppe wesentlich beigetragen. Wenn ein gewisser C. R. mehr seiner testosterongespeisten Energie in geniale Spielzüge und Pässe investieren würde statt in sein lächerliches Macho-Gehabe, wäre Portugal ein heißer Titel-Anwärter.

Deutschland:

Deutschland war souverän durch die EM-Quali gekommen (10 Siege in 10 Spielen) und konnte seine Serie mit drei Siegen in der Vorrunde fortsetzen. Das spielerische Potential der Deutschen ist überzeugend, und da man im deutschen Team auf Star-Allüren ala C. R. verzichtet, ist diese Mannschaft ohne weiteres als heißer Titelkandidat zu handeln. Allerdings: In allen drei Spielen hatte die Mannschaft eine Saure-Gurken-Phase, in der ihr die Souveränität vorübergehend abhanden kam und das Spiel zu kippen drohte. In allen drei Spielen hat sie diese Durststrecke aber überwunden und letztlich das Spiel für sich entschieden. Zweifellos ein Merkmal starker Mannschaften, ebenso wie der starke Teamgeist, der in der deutschen Mannschaft vorherrscht.

Meine Prognose: Deutschland wird die Mittel finden, den von den Griechen angerührten Beton bröckelig zu spielen. Darüber hinaus wird Deutschland in das Finale einziehen.

Portugal wird die Tschechen schlagen, aber im Halbfinale scheitern.

 

17.06.2012

Gruppe A:

Am 17.06.2012 liefen die letzten beiden Spiele der Vorrundengruppe A. Das Endergebnis dieser Gruppe lieferte dann doch schon ein paar Überraschungen. Aber diese Gruppe war keineswegs wirklich stark besetzt. Zum Schluss setzten sich also Tschechien, das zum Auftakt eine 1:4-Blamage gegen Russland einstecken musste und Griechenland, das immer noch für den Staksfußball der 80’er Jahre steht und damit vor acht Jahren Europameister geworden war, durch. Dass die Gruppe so ausging, lag wohl nicht so sehr an den Qualitäten der Tschechen und der Griechen, sondern an den Schwächen der anderen und an Zufällen.

Polen:
In keinem der drei Spiele konnte diese Mannschaft überzeugen. Sie wurde höher gehandelt, und jeder hat – auch wegen des Heimvorteils – Polen gute Chancen eingeräumt. Doch magere zwei Punkte und Platz 4 sind die Quittung für eine pomadige Spielweise. Zwanzig Minuten Angriffsfußball je Spiel – mit insgesamt nur zwei Toren – sind, bei zum Teil eklatanten Abwehrproblemen, absolut unzureichend und absolut enttäuschend angesichts des spielerischen Potentials dieser Mannschaft.

Russland:
Beim Auftaktspiel gegen Tschechien Hui, danach Pfui. So kann man wohl den Auftritt der Russen charakterisieren. Nach dem 4:1-Auftaktsieg hat man ihnen den Gruppensieg zugetraut. Doch gegen die schwachen Polen reichte es nur zu einem mauen Remis, und im letzten Spiel gegen Griechenland schwebte man offenbar im siebten Himmel, um dann kurz vor dem Halbzeitpfiff so tief und hart zu fallen, dass ein Aufstehen nicht mehr möglich war. Absolut enttäuschend.

Griechenland:
Es ist schon bezeichnend, dass sich Griechenland mit dem Athletik-Fußball der 80’er Jahre ohne Technik in der Gruppe durchsetzen konnte. Hinten Beton anrühren und vorn auf sich mehr oder wenig zufällig ergebende Chancen hoffen. So spielt Griechenland 2012 und so spielte Griechenland auch 2004 und wurde Europameister.

Tschechien:
Mit so einem völlig verkorksten Auftakt (1:4 gegen Russland) noch Gruppensieger zu werden, ist schon bezeichnend. Die Tschechen haben immerhin in Spiel 2 und 3 Moral bewiesen, wenn auch ihre spielerischen Fähigkeiten durchaus limitiert waren. Mit dem jahrelangen BVB-Spielmacher Tomas Rosicky hat Tschechien gerade mal einen einzigen Spieler von Weltklasse, und der war auch noch außer Form. Andere sind aber in die Bresche gesprungen, wie z. B. Plasil und Jiracek. Dass Tschechien noch im ersten Spiel in der Defensive auf den Hertha-Absteiger Roman Hubnik bauen musste, und dass das Stürmer-Idol (lang ist’s her) Milan Baros in drei Spielen gerade mal einen einzigen ernsthaften Torschuss zustande brachte, zeigt, welche Probleme die Tschechen, trotz des Gruppensieges, haben.

Meine Prognose: Sowohl Griechenland als auch Tschechien werden im Viertelfinale ausscheiden.

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