Schwarze Adler – ein engagierter Dokumentarfilm gegen Rassenhass

Unter dem Titel „Schwarze Adler“ hat das ZDF kürzlich einen Dokumentarfilm von Torsten Körner gesendet, welcher sich mit dem Rassismus im deutschen Fußball – Amateur- und Profifußball – beschäftigt. Dieser Film ist in der ZDF-Mediathek noch bis zum 17.07.2021 ansehbar.

Verschiedene Akteurinnen und Akteure, wie z. B. Beverly Ranger, Steffi Jones, Shary Reeves, Erwin Kostedde, Jimmy Hartwig, Guy Acolatse, Otto Addo, Ojokojo Torunarigha, Jordan Torunarigha, Jean-Manuel Mbom, Rigobert Gruber, Patrick Owomoyela, Anthony Baffoe, Gerald Asamoah und viele andere mehr kommen in dem Film zu Wort. Sie berichten von ihren unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Rassismus in Deutschland, in ihrem Lebensumfeld, auf dem Fußballplatz, in den Massenmedien, in der Werbung usw.

Einige Beispiele:

Erwin Kostedde: Vor einem Länderspiel im Londoner Wembley-Stadion wurde er, im Mannschaftsbus der DFB-Auswahl sitzend, von deutschen „Fans“ wegen seiner Hautfarbe gemobbt.

Gerald Asamoah: Beim sogenannten Sommermärchen, der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, hatte die DFB-Auswahl wegen ihres Auftretens und ihrer Spielweise viele Sympathien erworben. Gerald Asamoah war einer von ihnen, auch er wurde nach der WM am Brandenburger Tor wie alle anderen DFB-Kicker gefeiert. Nur wenige Wochen später, am 09.09.2006, wurde er beim DFB-Pokalspiel beim FC Hansa Rostock II durch einen Teil der Rostocker „Fans“ durch fortwährendes Affengebrüll gemobbt. Der Schiedsrichter sah keinen Grund zum Eingreifen (Spielunterbrechung). Später wurde Asamoah beim Ende seiner Karriere beim FC Schalke 04 als Held gefeiert.

Gerald Asamoah und Otto Addo: Bei einem Bundesligaspiel von Hannover 96, wo beide damals spielten, im Stadion der Freundschaft bei Energie Cottbus, wurden beide von einem Teil der Cottbusser Zuschauer mit Parolen wie „Haut die Neger raus“ und Bananenwürfen rassistisch beleidigt. Selbst Kinder, von ihren Eltern „wohlerzogen“, beteiligten sich daran. Der Schiedsrichter (Spielunterbrechung) griff nicht ein.

Shary Reeves: Während eines Spiels wurde sie fortlaufend mit Äußerungen wie „Du schwarze Sau“ und „Souleyman Sané“ von ihrer Gegenspielerin gemobbt. Als sich Reeves deswegen an den Schiedsrichter wandte, behauptete dieser, dass das nicht stimme und stellte sie vom Platz.

Vor der Fußball-WM 2006: Die NPD startete eine Kampagne für eine „Nationalmannschft ohne Migrationshintergrund“ und veröffentlichte hierzu einen Flyer unter dem Titel „Weiß – nicht nur eine Trikot-Farbe! Für eine echte NATIONAL-Mannschaft“. Der ebenfalls davon betroffene Patrick Owomoyela berichtet in dem Film davon und davon, was er in dieser Situation fühlte.

Anthony Baffoe:

  • „Sport im Westen“ (WDR); Fernsehmoderator: „… Sie sehen ein bisschen dunkler aus als andere Leute, das liegt sicher nicht an unserem schönen Wetter hier. Wo sind Sie geboren, Anthony ?“
  • Anthony Baffoe: „Ich bin hier in Bad Godesberg geboren, aber meine Eltern, die kommen aus Ghana.“
  • Eigentlich ist damit die Frage nach der Herkunft beantwortet, wobei die Einleitung der Frage dummdreist rassistisch war.
  • Fernsehmoderator: „Aja, und wieso sind sie dann gerade hier in Bonn geboren?“ Aja, Herr Moderator…

Jordan Torunarigha: Er hatte als Kind schon erlebt, wie er, sein damals beim Chemnitzer FC spielender Vater Ojokojo und seine Familie in Chemnitz fast täglich den Rassismus hautnah verspürte, bishin zu Gewaltandrohung mit einem Messer. Beim DFB-Pokal-Achtelfinale Schalke – Hertha am 04.02.2020 wurde Torunarigha von einem Teil der Schalker „Fans“ längere Zeit mit Affengebrüll begleitet – was für ein Widerspruch zu der Heldenkrönung Asamoahs wenige Jahre zuvor auf Schalke. Nach einem Foul des Schalkers Mascarell gegen Torunarigha an der Seitenlinie und dem nicht gegebenen Freistoß verlor Torunarigha leider die Contenance, griff eine Getränkekiste und warf sie wutschnaubend zu Boden. Hierfür sah er Gelb-Rot. Auf die Idee, das Spiel wegen der fortwährenden Beleidungen Torunarighas durch die Zuschauer zu unterbrechen, kam der Schiedsrichter Harm Osmars nicht. Unfähigkeit ? Nicht der Situation gewachsen ? Oder eigener Rassismus ?

Beverly Ranger: In der ARD-Sportschau wird sie für das Tor des Monats Juni 1975 geehrt. Die Einführung in den Beitrag begann der Sportschau-Moderator mit „Schön und kaffeebraun sind alle Frauen aus Kingston-Town“

Jérôme Boateng: Als National-Spieler hatte Boateng sich etliche Lorbeeren verdient. Bei der WM 2014 galt er als Weltklasse-Verteidiger, und zweimal hat er bei Länderspielen den portugisischen Weltklasse-Stürmer Cristiano Ronaldo so gut verteidigt, dass der überhaupt nicht zum Zuge kam. Im Mai 2016 hat Alexander Gauland, Zweiter Vorsitzender der AfD, sich über Boateng bei der FAZ wie folgt geäußert: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Gauland hat zwar kein Unwort in den Mund genommen, doch die Botschaft ist klar: Boateng gehört nicht nach Deutschland. Und es war eine ganz besonders hintervotzige geschmeidige Beleidigung. Allerdings haben eine ganze Menge Deutscher hierüber ihre Empörung zum Ausdruck gebracht – das ist das Positive daran.

Werbung für ein Waschmittel „Blanco 73“: Vor der Wäsche sieht man in der Waschtrommel ein schwarzes Gesicht, danach ein weißes.

Was macht das mit den Menschen ?

Häufig erlebtes rassistisches Mobbing geht an niemandem, der davon betroffen ist, spurlos vorüber. Die häufigen Kränkungen hinterlassen Spuren, die allerdings, je nach Persönlichkeit, unterschiedlich ausfallen. Jimmy Hartwig z. B. hat bei einem Spiel in München die Mobber bei ihren Sprechchören dirigiert, die Mobber also verarscht. Auch Anthony Baffoe ist sehr offen damit umgegangen und hat sich nicht so leicht unterkriegen lassen. Aber was sich bei ihnen tief im Inneren abspielt, wissen wir nicht. Jordan Torunarigha hat als Ergebnis seines jahrelang erlebten Rassenhass in jener genannten Szene auf Schalke leider die Contenance verloren. Doch wer will es ihm verübeln ?

Aktionen gegen den Rassismus im Fußball:

Es gibt eine ganze Reihe von Aktionen gegen den Rassismus im Fußball und im Sport. Eine will ich hier besonders herausstellen, weil sie von den Betroffenen selbst initiiert worden ist.

„Helft uns! Wir wollen kein Freiwild sein“ – unter diesem Titel veröffentlichten im Mai 1991 die Spieler Souleyman Sané, Anthony Yeboah und Anthony Buffoe einen offenen Brief in der Bild-Zeitung, in dem sie zum Kampf gegen den Rassismus aufriefen. Siehe hierzu auch Bachelor-Arbeit von Alexander Zimmermann (2014).

Anderer Hass in unserer Gesellschaft:

Neben dem Rassismus gibt es eine ganze Reihe weiterer Formen des Hasses in unserer Gesellschaft:

  • Antisemitismus und Antiislamismus (ich nenne beide bewusst zusammen, weil ein Teil dessen jeweils auch auf der anderen Seite vorkommt)
  • allgemeiner Fremdenhass
  • Homophobie und Hass gegen Menschen des dritten Geschlechts
  • Hass gegen Alte und Kranke
  • Hass gegen Leute, die sich – zum Teil in ihrer Freizeit – engagieren, dazu gehören z. B. auch die Fußball-Schiedsrichter

Der Hass ist in unserer Gesellschaft tief verwurzelt. Es ist eine Minderheit, die hasst. Aber es sind so viele, dass man sie nicht ignorieren kann. Über die Verbreitung des Rassenhass lässt sich einiges aus der Zahl der Wählerstimmen für ultra-rechte Parteien, wie NPD, AfD usw. ablesen.

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