Corona-Pandemie – Licht am Ende des Tunnels ?

Seit nunmehr elf Monaten haben wir es mit der Corona-Pandemie in Deutschland zu tun – beginnend zu Anfang März 2020 fingen die Neuinfektionszahlen anfangs explosionsartig zu steigen, was Mitte März zum ersten Lock-Down führte. Aus heutiger Sicht war die erste Welle der Pandemie März/April 2020 nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was uns in diesem Winter überrollt hat.

Bereits im September 2020 begannen die Neuinfektionszahlen wieder deutlich zu steigen, nachdem wir in den Sommermonaten das Infektionsgeschehen einigermaßen unter Kontrolle hatten. Und im Oktober brach die zweite Welle voll über uns herein. Der zweite Lock-Down, der Anfang November 2020 in Kraft trat, kam mindestens zwei Wochen zu spät.

Ich habe mal wieder meine Säulendiagramme aktualisiert, mit denen ich das Neuinfektionsgeschehen für Berlin und Deutschland grafisch aufbereitet habe. Diese basieren auf den Daten bei berlin.de und beim Robert-Koch-Institut von heute Mittag.

Ich habe jetzt die Darstellung dahingehend geändert, dass ich bei der wöchentlichen Darstellung jetzt auf die erste Welle verzichte – das Diagramm würde zu breit werden. Statt dessen habe ich eine monatliche Darstellung der Neuinfektionszahlen, beginnend ab März 2020, ergänzt. Bei dieser Grafik habe ich die Monatssummen wegen der besseren Vergleichbarkeit immer auf 30 Tage umgerechnet, d. h. dass ich die Monatssummen von Monaten mit 31 Tagen mit dem Faktor 30/31 multipliziert habe.

Wöchentliche Darstellung für Berlin und Deutschland KW 36/2020 bis 05/2021

Die Kalenderwoche 36/2020 ist die Woche vom 31.08.2020 bis 06.09.2020, die Kalenderwoche 05/2021 ist die Woche vom 25.01.2021 bis 31.01.2021.

Die Grafiken zeigen bereits für September bereits tendenziell einen massiven Anstieg der Neuinfektionszahlen:

  • in Berlin Verdreifachung innerhalb von fünf Wochen
  • in Deutschland eine Woche verzögert um Faktor 2,7 innerhalb von fünf Wochen

Insofern ist es unverständlich, dass der zwei Lockdown erst Anfang November (KW45/2020) kam – da war schon alles zu spät.

Im Januar fing die Situation langsam an, sich etwas zu entspannen. 3201 Neuinfektionen in Berlin in KW 5/2021 entspricht einer Inzidenz von 87,2; 78365 Neuinfektionen in Deutschland in KW 5/2021 entspricht einer Inzidenz von 94,2.

Monatliche Darstellung für Berlin und Deutschland von März 2020 bis Januar 2021

Diese Grafiken zeigen, dass die zweite Welle viel extremere Neuinfektionszahlen hervorgebracht hat als die erste. In Berlin war der Höhepunkt im November 2020 erreicht, wobei der Dezember kaum Entspannung gebracht hat. Deutschlandweit war im Dezember der Höhepunkt erreicht. Im Januar fing die Situation langsam an, sich etwas zu entspannen.

Beginn der Impfkampagne zum Jahreswechsel 2020/2021

Zunächst erst einmal muss ich all denen, die an der Entwicklung und Erprobung von geeigneten Impfstoffen beteiligt waren, meinen Dank und größten Respekt zum Ausdruck bringen. Sie haben es geschafft, bereits knapp ein Jahr nach Beginn der Pandemie wirksame Impfstoffe mit überschaubaren Risiken in Verkehr zu bringen. Dafür vielen vielen Dank !

Doch die Impfkampagne läuft in Deutschland bisher sehr schleppend an. Mein Eindruck ist, dass uns die Politiker im 4. Quartal zu große Hoffnungen auf den massenweisen Einsatz der Impfstoffe gemacht haben. Ja, es ist ganz sicher eine riesige Herausforderung für die Pharma-Industrie, innerhalb weniger Wochen die Produktion der Impfstoffe in solchen Mengen anzukurbeln, dass wir kurzfristig die sogenannte Herdenimmunität erreichen können. Unsere Bundeskanzlerin Frau Angela Merkel hat uns kürzlich versprochen, bis zum Sommerende (21.09.2021) jedem in Deutschland, der es will, eine Erstimpfung zu garantieren. Ich fürchte ja eher, dass das noch bis ins Jahr 2022 hineinreicht.

Es sind noch Fragen offen

In Zusammenhang mit der Impfkampagne sind noch zahlreiche Fragen offen, auf deren Beantwortung wir uns wohl noch eine Weile gedulden müssen.

  • Die erste Frage ist die der Wirksamkeit der Impfung bei Infektion durch mutierte Corona-Viren. Mittlerweile haben sich bezüglich ihrer Infektiosität besonders agressive Mutationen weltweit etabliert. Die bekanntesten sind: die britische Mutation B.1.1.7; die südafrikanische Mutation B.1.351 und die brasilianische Mutation B.1.1.28 P.1. Laut Aussage von Biontek soll deren Impfstoff gesichert gegen die Mutation B.1.1.7 wirksam sein. Aber es sind zahlreiche weitere Mutationen bereits nachgewiesen worden. Und zur Zeit ist unklar, welcher Imfstoff möglicherweise gegen bestimmte Mutanten nur eingeschränkt oder gar nicht wirksam ist. Vermutlich wird man in Zukunft die Corona-Impfstoffe regelmäßig aktualisieren müssen, wie es ja beim Influenza-Impfstoff seit Jahrzehnten gemacht wird.
  • Die zweite Frage ist die nach der Infektiosität von geimpften Patienten für andere. Wer durch Impfung erfolgreich immunisiert ist, kann sich selbstverständlich auch neu infizieren. Er wird nicht oder nur leicht erkranken, weil sein Körper auf die Infektion viel besser vorbereitet ist als ein nicht immunisierter Patient. Aber kann er in der Frühphase seiner Infektion zur Virenschleuder und damit zur Gefahr für andere werden ? Hierzu gibt es noch keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse. Damit ist auch klar, dass sich geimpfte Patienten genauso vorsichtig und rücksichtsvoll bezüglich der Corona-Schutzmaßnahmen verhalten müssen, wie alle anderen auch.
  • Die dritte Frage bezieht sich selbstverständlich auf die Impfkampagne. Kann die Bundesregierung ihr Versprechen einlösen, bis Ende Sommer 2021 jedem Deutschen, der sich impfen lassen will, ein Impfangebot zu machen ? Damit einher geht natürlich auch meine persönliche Frage: Wann kann ich mich impfen lassen ?

Es gibt sicher noch zahlreiche weitere Fragen in Zusammenhang mit Corona und der Impfung.

Was mich anbelangt: Ja, ich will mich auf jeden Fall impfen lassen. Ich bin davon überzeugt, dass die Chancen, die die Immunisierung durch Schutzimpfung, bei einer Coronainfektion nicht oder nur leicht zu erkranken, deutlich größer sind als eventuelle Risiken (Nebenwirkungen, Unverträglichkeiten).

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2 Kommentare

  1. Nun, Licht am Ende des Tunnels sehe ich erst, wenn wir bis zum Sommer durchkommen, ohne das sich eine Mutation bildet, gegen die die derzeitigen Impfstoffe nicht wirken. Ich glaube zwar, dass die Impfstoffhersteller ziemlich schnell mit einem abgeänderten Impfstoff reagieren könnten – was nach der Pandemie sowieso der Fall sein wird, wie bei der Grippe-Impfung – aber dann müssten wir mit den Impfungen wieder von vorn beginnen und das wäre schon ein Rückschlag.

    Ob das mit der kompletten Impfung der Bevölkerung bis zum Ende des Sommers klappt, hängt jetzt davon ab, wie viele Impfstoffe in den nächsten Monaten noch zugelassen werden. Ich hoffe stark darauf, dass wir – wenn sich die Daten bestätigen, die derzeit im Umlauf sind – den russischen Impfstoff schnell zulassen werden und auch die anderen Impfstoffe nicht mehr ewig auf sich warten lassen. Es gab da bei Twitter letztens eine Grafik zu, die mich da optimistisch stimmt, dass das gelingen kann.

    Nun zum „Lockdown“. Einmal davon abgesehen, dass das nie ein wirklicher Lockdown war, weil die Wirtschaft weitestgehend offengehalten wurde, glaube ich nicht, dass das, was dann kam, zu spät war, sondern es hätten sofort auch die Schulen, Unis und eben auch die Büros – so weit wie möglich – geschlossen werden müssen. Dann hätten wir diesen schlimmen Dezember nicht erleben müssen – schlimm im Sinne von zu hohen Infektionszahlen und täglich tausend Toten. Sicher hätten wir auch dann kein „normales“ Weihnachten feiern können, aber wir hätten sehr viel mehr Leben retten können. Gerade das Festhalten am Präsenzunterricht war falsch und für mich nicht zu verstehen. Es gab einen Sommer, in dem wir die Infektionszahlen im Griff hatten, da hätte sich die Politik um ordentliche digitale Konzepte für den Schulunterricht kümmern können, denn das es im Winter zu einer zweiten Welle kommen würde, war schon im Frühjahr klar. Stattdessen war das Konzept möglichst viel Lüften, was im Winter einfach nicht machbar ist, was die Kultusminister*innen aber immer noch nicht verstanden haben …

    • Bernd auf 13. Februar 2021 bei 17:59
    • Antworten

    Das mit dem Fernunterricht scheiterte ja im Wesentliochen an zwei Punkten:
    1 Die verantwortlichen Politiker haben es nicht geschafft, die technische Ausstattung vieler Schulen (Server; Internetzugang) auf einen solchen technischen Stand zu bringen, dass problemloser Online-Unterricht für alle Schüler möglich ist. Die Sommerzeit hätte dafür genutzt werden müssen, es wurde jedoch versäumt.
    2. Wir haben in großen Teilen Deutschands immer noch das Problem mangelhafter Breitband-Infrastruktur, sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunknetz. Da fasst man sich immer an den Kopf, wenn man außerhalb der Großstädte in Funklöchern oder bestenfalls 2G-Netzen unterwegs ist. Diesbezüglich ist Deutschland wirklich noch hinter dem Mond.

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