Berliner Lokalderby in der 2. Fußball-Bundesliga: Hertha BSC – 1. FC Union Berlin

Gestern fand im seit Wochen ausverkauften Olympiastadion das mit Spannung erwartete Rückspiel im Lokalderby Hertha – Union statt.

Union gewann nach Toren von Roman Hubnik für Hertha und John Jairo Mosquera und Torsten Mattuschka für Union mit 2:1.

Die Schlagzeilen der Vereine auf ihren Webpages fielen dann auch dementsprechend aus:

Schlagzeile auf der Hertha-Webpage (Zitat): Schlagzeile auf der Union-Webpage (Zitat):

1:2 gegen Union im Derby

Unglaublich! Sensationell! Historisch! – 1. FC Union Berlin schnappt sich den Derby-Sieg im Olympiastadion

Tristesse auf der einen, überschwengliche Freude auf der anderen Seite.

Die Gründe, weshalb der 1. FC Union Berlin gewann, sind meines Erachtens nach:

  • Nachdem Union die anfängliche, die erste Hälfte der ersten Halbzeit andauernde extreme Druckphase der Herthaner mit nur einem Gegentor überstand, fand man noch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit langsam, aber sicher, immer besser ins Spiel und erzielte bald Ausgeglichenheit im Mittelfeld.
  • Noch in der ersten Halbzeit gelang Union mit einem Kabinettstückchen von John Mosquera (Ballannahme in der Luft und strammer, optimal getroffener Drehschuss) der Ausgleich der frühen Hertha-Führung, was Union einen psychologischen Vorteil einbrachte.
  • Auch nach dem Seitenwechsel igelte sich Union keineswegs ein, sondern suchte, getreu dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“, den Weg in die gegnerische Hälfte, und unterband damit zu großen Teilen die Spielentwicklung der Herthaner.
  • In der dann später folgenden Drangphase der Hertha hatte Union dann auch noch etwas Glück, als Torsten Mattuschka ein Freistoßtor gelang, wie man es nicht alle Tage sieht. Aus ca. 25 m und halblinker Position verwandelte er mit hartem und extrem gut platziertem Schuss unmittelbar neben dem kurzen Pfosten. Es war ein Tor mit Vorankündigung, denn bereits drei Minuten vorher hatte Mattuschka eine Freistoßchance aus ähnlicher Position, der Ball ging da noch ganz knapp über den Kahn.
  • Nach der Führung verteidigte Union diese mit sehr viel Engagement, taktischer Disziplin, Geschick und auch Glück.

Die Gründe, weshalb Hertha BSC verlor, sind meines Erachtens nach:

  • In der starken Auftaktphase, in der sich Hertha mehre hervorragende Torgelegenheiten erspielte, versäumte es Hertha, mehr aus den Chancen zu machen. Mit nur einem Tor von Roman Hubnik, das allerdings schön herausgespielt war, konnte Hertha zu wenig aus dieser deutlichen spielerischen Überlegenheit in der Anfangsphase machen.
  • Nach ca. 20 … 25 Minuten schlich sich bei Hertha langsam, aber sicher, immer mehr Schlendrian ein. Offenbar glaubten einige, dass es während des gesamten Spiels immer so weiter gehen würde wie in der Startphase, und dass es ein Selbstläufer werden würde. Es kam wie es kommen musste: Hertha verlor mehr und mehr Spielanteile an den Gegner und kassierte, wenn auch durchaus schon etwas überraschend, schließlich den Ausgleich. Dieser löste jedoch nicht, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre, noch einmal eine Mobilisierung des Engagements noch vor der Pause aus, nein, mit dem Schlendrian zog Hertha in die Halbzeitpause.
  • Zu Beginn der zweiten Halbzeit ging es weiter mit dem Schlendrian. Erst ca. 15 Minuten nach dem Wiederanpfiff zeigte Hertha einen Konterangriff und dokumentierte damit, wieder da zu sein. In der Folge übernahm Hertha dann auch wieder die Vorherrschaft im Mittelfeld und zeigte mehrere sehr gute Angriffszüge. Hertha versäumte es aber, daraus auch Tore zu machen. Typisches Beispiel: In der 64. Minute setzt sich Raffael auf der linken Seite hervorragend durch, bricht bis fast zur Grundlinie durch und Ramos vertändelte die sich aus Raffaels präzise geschlagener Flanke ergebende Chance aus nur 7 … 8 Metern Torentfernung ziemlich kläglich.
  • Herthas Abwehr wirkte nicht immer souverain. So übte man sich zweimal vor dem eigenen Strafraum im Foulspiel. Während der erste Freistoß noch ganz knapp über den Kasten von Meikel Aerts strich, saß der zweite. Ob der unhaltbar war und ob Aerts die Mauer richtig gestellt hat, werde ich mir heute Abend noch einmal im Sportplatz vom RBB ansehen.
  • Nach dem Rückstand, Hertha hatte immerhin noch knapp 20 Minuten Zeit, gab es kein ernsthaftes Aufbegehren der Hertha; kein Wille, das Ding noch zu kitten. So kam es wie es kommen musste: Hertha verlor.

Fazit:

Union hat sich die gegen Paderborn vergeigten Punkte wieder geholt. So wie Union gestern aufgetreten ist, werden sie den Klassenerhalt ganz sicher schaffen.

Hertha hat gestern im Kampf um den Wiederaufstieg drei wertvolle Punkte vergeigt. Das war kein (Erste) Bundesliga-Niveau. Noch ist nichts angebrannt, aber Hertha muss sich deutlich steigern. Mal ganz abgesehen davon, dass Hertha gestern nicht unter Beweis gestellt hat, dass es „Berlins Team Nummer 1“, wie es der Stadionsprecher im Olympiastadion immer verkündet, ist.

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1 Kommentar

  1. Wohltuend war die faire und freundschaftliche Atmosphäre auf den Rängen, im Stadionumfeld und in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Es gab viele Szenen, die das belegen:
    Liebespärchen, bei denen der (die) eine rot-weiß und der (die) andere blau-weiß trug, Gratulation der Hertha-Fans für Ihre Blocknachbarn im Union-Dress usw.
    Von Schlägereien, Rowdytum oder ähnlichem war nichts zu hören. Das zeigt, dass Fußball – bei aller Rivalität – auf der Ebene der Faisness und der gegenseitigen Achtung ablaufen kann – und ablaufen muss.

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