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Jul 31 2011

Sintflutartige Regenfälle – Anzeichen des Klimawandels ?

Ich war im Urlaub, 12 Tage Usedom. An sechs dieser zwölf Tage erlebte ich einen Dauerregen, wie ich ihn, vor allem bezüglich der Dauer, bisher nur sehr selten in meinem Leben erlebt habe.

Greifswald ist der nächstgelegene Messpunkt, von welchem ich im WWW seriöse Niederschlagsmengenangaben dieser Tage gefunden habe.

 

 

Niederschlagsmengen in Greifswald vom 21.07.2011 bis zum 30.07.2011; 
Quelle: WetterOnline Meteorologische Dienstleistungen GmbH, www.wetteronline.de/
Tag 21.07. 22.07. 23.07. 24.07. 25.07. 26.07. 27.07. 28.07. 29.07. 30.07.
Wochentag Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa.
Niederschlagsmenge in mm 30 46 18 2 3 0 0 20 55 18
Zum Vergleich: Niederschlagsmengen in Berlin im selben Zeitraum; 
Quelle: WetterOnline Meteorologische Dienstleistungen GmbH, www.wetteronline.de/
Niederschlagsmenge in mm 9 27 2 0 0 0 0 3 39 36
Anmerkung: Die Niederschlagsmengen sind bei der Quelle nicht als Zahlenwerte, sondern als Säulen in einem Diagramm angegeben. Somit unterliegen die von mir angegebenem Zahlenwerte einem Fehler von < 1 mm.

 

 

Laut Wikipedia beträgt der Monatsmittelwert für den Niederschlag für Juli in Greifswald 69 mm und der Jahresmittelwert 553 mm. Quelle: Klimadiagramm bei Wikipedia. Demnach ist also in der Dekade vom 21.07. bis zum 30.07. in Greifswald das 2,8-fache des durchschnittlich im gesamten Monat fallenden Niederschlags gefallen, oder mehr als ein Drittel der durchschnittlichen Jahresniederschlagsmenge. 

Ähnlich stellte sich das in vielen Gegenden Vorpommerns dar. Für Barth z. B. wird an der o. g. Quelle eine Gesamtniederschlagsmenge für die angegebene Dekade von 191 mm angegeben, und für Putbus/Rügen immerhin 143 mm. 

Die Folgen: In weiten Teilen Vorpommerns stehen riesige Wiesen und Weideflächen sowie tieferliegende Straßen unter Wasser. In zahlreichen Orten haben sich die Keller gefüllt. 

Die Ursache all dessen ist ein hartnäckiges Tiefdruckgebiet, das sich seit Wochen über Polen hält und massenhaft Ostseewasser tankt, um es dann beiderseits der unteren Oder großflächig auszuschütten.

 

 

In den letzten Jahren häufen sich in Mitteleuropa offenbar derartige Wettererscheinungen.  

Zum Beispiel: Oderhochwasser 1997.
Ausgedehnte Niederschläge im Quelleinzugsgebiet der Oder in Südpolen führten im Sommer 1997 zu länger anhaltendem Oderhochwasser mit verheerenden Folgen. In Polen und Tschechien gab es mehr als 100 Todesopfer. In Deutschland wurde die Ziltendorfer Niederung südlich von Frankfurt nach Deichbruch komplett überflutet. Das Oderbruch kam glimpflich davon.
 

Zum Beispiel: Elbehochwasser 2002.
Auch hier waren ausgedehnte Niederschläge im Quelleinzugsgebiet der Elbe sowie zahlreicher Elb-Nebenflüsse Auslöser des verheerenden Hochwassers. In Zinnwald auf dem Kamm des Osterzgebirges sollen (lt. Wikipedia) am 12./13. August 312 mm Niederschlag innerhalb von 24 Stunden gefallen sein. Innerhalb von Stunden schwollen zahlreiche kleine Bäche und Flüsse zu reißenden Strömen an. Zum Beispiel riss die Weißeritz im Rabenauer Grund die gesamte Weißeritztalbahn (Schmalspurbahn Hainsberg – Kippsdorf) mit, spülte anschließend in Hainsberg nahezu den gesamten Bahndamm der Hauptbahn Dresden – Chemnitz weg, um dann anschließend in Dresden durch den Hauptbahnhof und die Innenstadt zu fließen. An der Mittelelbe sind riesige Flächen überflutet worden, in Riesa stürzte die Eisenbahnbrücke über die Elbe ein. 

Sowohl das genannte Oder- als auch das genannte Elbehochwasser hatten eine ähnliche Ursache wie das jetzige Regen-Chaos in Vorpommern: Ein stabiles Tiefdruckgebiet, dass sich riesige Mengen Wasser – in diesem Falle aus der Adria – holt und großflächig innerhalb kurzer Zeit abregnen lässt. 

Und es gab auch noch zahlreiche weitere vergleichbare Ereignisse in Europa, z. B. an der Donau und am Rhein. 

Diese genannten Hochwässer sind bezüglich der Niederschlagsmenge und der Folgen noch wesentlich gravierender, als das, was ich auf Usedom jetzt erlebt habe. Aber der Dauerregen in Vorpommern passt in das Schema der genannten Hochwasser-Katastrophen der letzten Jahre, mit dem Unterschied, dass das Niederschlagsgebiet Flachland ist und sich somit keine riesigen reißenden Ströme ausgebildet haben. 

Ist diese extreme Häufung von solchen sintflutartigen Niederschlagsereignissen in Mitteleuropa schon eine Folge des Klimawandels ?

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1 Kommentar

3 Pings

  1. Sven

    Da es in Berlin nicht wirklich anders war, brauchst du dich gar nicht zu beschweren 😉 . Hier gab es denselben Dauerregen, was sich auch auf meine Laufkilometer ausgewirkt hat.

  1. Goldener Herbst in Berlin » Persönlicher Blog

    […] einem völlig verkorksten (verregneten) Sommer hat der Herbst 2011 bisher viele goldene Anblicke geboten. An den meisten Herbsttagen in diesem […]

  2. Hochwasser in Deutschland » Persönlicher Blog

    […] aber vor zwei Jahren wurde ein solches Tief auch aus der östlichen Ostsee gespeist und ließ große Teile Vorpommerns fast im Wasser ersaufen Ansonsten waren derartige Wettersituationen sowohl für das Oder-Neiße-Hochwasser 1998 als auch […]

  3. Extremer Dauerregen in Berlin – Persönlicher Blog

    […] Dauerregen in Vorpommern im Juli 2011, ich hatte darüber berichtet […]

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